Die vier Pfeiler der Einsicht
Die vier Pfeiler der Einsicht - die Grundlagen der Achtsamkeit
Also sprach der Erhabene: "Der gerade Weg, der zur Läuterung der Wesen, zur Überwältigung des Schmerzes und Jammers, zur Zerstörung des Leidens und der Trübsal, zur Gewinnung des Rechten, zur Verwirklichung der Erlöschung führt, das sind die vier Pfeiler der Einsicht."
Die vier Pfeiler sind die Grundlage der Achtsamkeit und bilden den Mittelpunkt der Lehre des Buddha.
Was aber sind die vier Pfeiler der Einsicht?
Das ist das Wachen - unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns
- das Wachen über den Körper
- das Wachen über die Gefühle
- das Wachen über das Bewusstsein
- das Wachen über alle Erscheinungen
Wie aber wacht man über den Körper?
Man muss sich seines Körpers voll bewusst sein, nach Innen wie nach Außen. Man muss erkennen wie der Körper entsteht und vergeht. Die Erkenntnis muss kommen: 'Der Körper ist da!'. Diese Erkenntnis hat stets gegenwärtig zu sein, soweit sie eben zum Wissen taugt, aber ohne irgendwo anzuhangen in der Welt! Und um das zu erreichen muss man aufmerksam wachen über
- die Atmung, ob man nun tief atmet oder kurz
- über seine Bewegungen, ob man nun geht oder steht, sitzt oder liegt
- über sein Hinblicken und Wegblicken
- über sein Essen und Trinken, Kauen und Schmecken
- über das Entleeren von Kot und Urin
- über Einschlafen und Aufwachen
- über Reden und Schweigen
Weiterhin muss man sich der verschiedenen unreinen Bestandteile seines Körpers bewusst sein:
- Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut
- Fleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren
- Herz, Leber, Fell, Milz, Lunge
- Gedärm, Darmgekröse, Mageninhalt, Kot, Gehirn
- Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett
- Tränen, Hautschmiere, Speichel, Rotz, Gelenköl, Urin
Und so muss man erkennen: 'Der Körper ist da!'. Soweit diese Erkenntnis eben zum Wissen taugt, aber ohne irgendwo anzuhangen in der Welt!
Weiterhin muss man sich der verschiedenen Arten der Bestandteile seines Körpers bewusst sein
- über die festen Bestandteile, über die Erdenart des Körpers
- über die flüssigen Bestandteile, über die Wasserart des Körpers
- über die heißen Bestandteile, über die Feuerart des Körpers
- über die beweglichen Bestandteile, über die Luftart des Körpers
Und so muss man erkennen: 'Der Körper ist da!'. Soweit diese Erkenntnis eben zum Wissen taugt, aber ohne irgendwo anzuhangen in der Welt!
Weiterhin muss man der Vergänglichkeit seines Körpers bewusst sein:
- wie er nach dem Tode anschwillt, blauschwarz anläuft und in Fäulnis übergeht
- dann von den Würmern zernagt wird
- bis dass nur noch das Knochengerippe bleibt, fleischbehangen, blutbesudelt, von den Sehnen zusammengehalten
- ein Knochengerippe, fleischentblößt, blutbefleckt, von den Sehnen zusammengehalten
- ein Knochengerippe, ohne Fleisch, ohne Blut, von den Sehnen zusammengehalten
- die Gebeine, ohne die Sehnen, hierher und dorthin verstreut, da ein Handknochen, dort ein Fußknochen, da ein Schienbein, dort ein Schenkel, da das Becken, dort Wirbel, da der Schädel
- die Gebeine, blank, muschelfarbig
- die Gebeine, zuhauf geschichtet
- die Gebeine, verwest, zu Staub zerfallen
Man muss verstehen, dass man dem letztendlich nicht entgehen kann! Und so muss man erkennen:
'Der Körper ist da!'. Soweit diese Erkenntnis eben zum Wissen taugt, aber ohne irgendwo anzuhangen in der Welt!
Wie aber wacht man über die Gefühle?
Man hat sich stets seiner Gefühle vollkommen bewusst zu sein!
- Empfindet man ein Wohlgefühl, muss man erkennen:
"Ich empfinde ein Wohlgefühl!" - Empfindet man ein Wehgefühl, muss man erkennen:
"Ich empfinde ein Wehgefühl!" - Empfindet man ein Gefühl ohne Wohl und ohne Weh, muss man erkennen:
"Ich empfinde ein Gefühl ohne Wohl und Weh!" - Empfindet man ein weltliches Wohlgefühl, muss man erkennen:
"Ich empfinde ein weltliches Wohlgefühl!" - Empfindet man ein überweltliches Wohlgefühl, muss man erkennen:
"Ich empfinde überweltliches Wohlgefühl!" - Empfindet man ein weltliches Wehgefühl, muss man erkennen:
"Ich empfinde ein weltliches Wehgefühl!" - Empfindet man ein überweltliches Wehgefühl, muss man erkennen:
"Ich empfinde ein überweltliches Wehgefühl!" - Empfindet man ein weltliches Gefühl ohne Wohl oder Weh, muss man erkennen:
"Ich empfinde ein weltliches Gefühl ohne Wohl oder Weh!" - Empfindet man ein überweltliches Gefühl ohne Wohl oder Weh, muss man erkennen:
"Ich empfinde ein überweltliches Gefühl ohne Wohl oder Weh!"
So muss man nach Innen wie nach Außen über seine Gefühle wachen und das Entstehen und Vergehen der Gefühle beobachten, um zu erkennen:
'Die Gefühle sind da!'. Soweit diese Erkenntnis eben zum Wissen taugt, aber ohne irgendwo anzuhangen in der Welt!
Wie aber wacht man über das Bewusstsein?
- Man hat sich stets über sein Bewusstsein vollkommen im Klaren zu sein!
- Man muss das begehrliche Bewusstsein als begehrlich erkennen und das begehrlose Bewusstsein als begehrlos
- Man muss das gehässige Bewusstsein als gehässig erkennen und das hasslose Bewusstsein als hasslos
- Man muss das irrende Bewusstsein als irrend erkennen und das irrlose Bewusstsein als irrlos
- Man muss das zerstreute Bewusstsein als zerstreut erkennen und das gesammelte Bewusstsein als gesammelt
- Man muss das niedrig gesinnte Bewusstsein als niedrig gesinnt erkennen und das hochstrebende Bewusstsein als hochstrebend
- Man muss das gemeine Bewusstsein als gemein erkennen und das edle Bewusstsein als edel
- Man muss das ruhelose Bewusstsein als ruhelos erkennen und das beruhigte Bewusstsein als beruhigt
- Man muss das gefesselte Bewusstsein als gefesselt erkennen und das erlöste Bewusstsein als erlöst
So muss man nach Innen wie nach Außen über sein Bewusstsein wachen und das Entstehen und Vergehen des Bewusstseins beobachten, um zu erkennen: 'Das Bewusstsein ist da!'. Soweit diese Erkenntnis eben zum Wissen taugt, aber ohne irgendwo anzuhangen in der Welt!
Wie aber wacht man über die Erscheinungen?
Man hat zu wachen über das Erscheinen der fünf Hemmungen (nívarana)
káma-cchanda: der Wunscheswille
- Man muss erkennen, wenn Wunscheswille da ist und wenn kein Wunscheswille da ist,
- wenn neuer Wunscheswille eben erst aufkommt,
- wenn bereits aufgestiegener Wuscheswille schwindet
- und wenn Wunscheswille künftig nicht mehr erscheint.
vyápáda: Hassensgroll
- Man muss erkennen, wenn Hassensgroll da ist und wenn kein Hassensgroll da ist,
- wenn neuer Hassensgroll eben erst aufkommt,
- wenn bereits aufgestiegener Hassensgroll schwindet
- und wenn Hassensgroll künftig nicht mehr erscheint.
thína-middha: Matte Müde
- Man muss erkennen, wenn matte Müde da ist und wenn matte Müde nicht da ist,
- wenn matte Müde eben erst aufkommt,
- wenn bereits aufgestiegene matte Müde schwindet
- und wenn matte Müde künftig nicht mehr erscheint.
uddhacca-kukkucca: Stolzer Unmut
- Man muss erkennen, wenn stolzer Unmut da ist und wenn kein stolzer Unmut da ist,
- wenn neuer stolzer Unmut eben erst aufkommt,
- wenn bereits aufgestiegener stolzer Unmut schwindet
- und wenn stolzer Unmut künftig nicht mehr erscheint.
vicikicchá: Schwankender Zweifel
- Man muss erkennen, wenn schwankender Zweifel da ist und wenn kein schwankender Zweifel da ist,
- wenn schwankender Zweifel eben erst aufkommt,
- wenn bereits aufgestiegener schwankender Zweifel schwindet
- und wenn schwankender Zweifel künftig nicht mehr erscheint.
Man hat zu wachen über das Erscheinen der fünf Stücke des Anhaftens (khandha)
- So ist die Form, so entsteht sie, so löst sie sich auf.
- So ist das Gefühl, so entsteht es, so löst es sich auf.
- So ist die Wahrnehmung, so entsteht sie, so löst sie sich auf.
- So sind die Unterscheidungen, so entstehen sie, so lösen sie sich auf.
- So ist das Bewusstsein, so entsteht es, so löst es sich auf.
Man hat zu wachen über das Erscheinen der sechs Innen- und sechs Außenbereiche (ayatana)
- Man erkenne das Auge und die Formen,
die Verbindung, die sich aus beiden ergibt
wenn die Verbindung eben erst erfolgt,
wenn die erfolgte Verbindung wieder aufgehoben wird
und wenn die Verbindung künftig nicht mehr erscheint. - Man erkenne das Ohr und die Töne,
die Verbindung, die sich aus beiden ergibt
wenn die Verbindung eben erst erfolgt,
wenn die erfolgte Verbindung wieder aufgehoben wird
und wenn die Verbindung künftig nicht mehr erscheint. - Man erkenne die Nase und die Gerüche,
die Verbindung, die sich aus beiden ergibt
wenn die Verbindung eben erst erfolgt,
wenn die erfolgte Verbindung wieder aufgehoben wird
und wenn die Verbindung künftig nicht mehr erscheint. - Man erkenne die Zunge und den Geschmack,
die Verbindung, die sich aus beiden ergibt
wenn die Verbindung eben erst erfolgt,
wenn die erfolgte Verbindung wieder aufgehoben wird
und wenn die Verbindung künftig nicht mehr erscheint. - Man erkenne den Körper und die Tastungen,
die Verbindung, die sich aus beiden ergibt
wenn die Verbindung eben erst erfolgt,
wenn die erfolgte Verbindung wieder aufgehoben wird
und wenn die Verbindung künftig nicht mehr erscheint. - Man erkenne das Denken und die Dinge,
die Verbindung, die sich aus beiden ergibt
wenn die Verbindung eben erst erfolgt,
wenn die erfolgte Verbindung wieder aufgehoben wird
und wenn die Verbindung künftig nicht mehr erscheint.
Man hat zu wachen über das Erscheinen der sieben Erweckungen (bojjhanga) und zu gewahren,
- ob Achtsamkeit (sati-sambojjhanga) munter wird, oder nicht, oder bereits völlig aufgeht.
- ob Gesetzesergründung (dhammavicaya-sambojjhanga) munter wird, oder nicht, oder bereits völlig aufgeht.
- ob Willenskraft (viriya-sambojjhanga) munter wird, oder nicht, oder bereits völlig aufgeht.
- ob Verzückung (píti-sambojjhanga) munter wird, oder nicht, oder bereits völlig aufgeht.
- ob Gestilltheit (passaddhi-sambojjhanga) munter wird, oder nicht, oder bereits völlig aufgeht.
- ob Sammlung (samádhi-sambojjhanga) munter wird, oder nicht, oder bereits völlig aufgeht.
- ob Gleichmut (upekkhá-sambojjhanga) munter wird, oder nicht, oder bereits völlig aufgeht.
Man hat zu wachen über die Vier heiligen Wahrheiten

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